München

München Kaltort 2016

Ort: München
Bevölkerung: 1 542 886 Einwohner_innen
Selbstbezeichnung: Mia san München – die schönste Stadt im Land! Weißwurstcity und Oktoberfestmetropole

Nominiert weil: #München ist nicht nur heiße Anwärterin im #Kaltortranking, weil CSU-Politiker_innen trotz rechter Hetze hier gut integriert sind.
Statistisch ist München die sicherste Stadt mit mehr als 200 000 Einwohner_innen deutschlandweit. So wird auch alles dafür getan, die Müncher_innen vor potentiellen Gewalttaten und Übergriffen zu schützen. Nein – dazu wird natürlich nicht das Oktoberfest, auf dem jährlich zahlreiche Frauen sexuell belästigt und vergewaltigt werden und schwere Körperverletzung, Diebstahl- und Raubdelikte Tagesgeschäft sind, abgesagt. Sondern es wird im Stadtteil Neuperlach eine 4-Meter hohe Mauer um eine Geflüchtetenunterkunft gebaut um die Anwohner_innen vor Belästigung zu schützen. Dass diese Mauer nicht ‘Wunsch der Stadt’ war, sondern von Nachbar_innen in einem 2-Jährigen Prozess erstritten wurde, lässt bezüglich des rassistischen Konsens in der bayerischen Hauptstadt tief blicken.
Es erstaunt nicht wirklich, dass sich Münchens Polizei ähnlich schwer damit tut, rassistische, antisemitische, antiziganistische Mordmotive zu erkennen, zu benennen und letztendlich auch zu ahnden, wie die Kollegen_innen in dem anderen deutschen Freistaat.
So gingen die Münchner Polizei und Medien am 22. Juli 2016 bei einer Schießerei im OEZ zuerst von einem Terroranschlag aus. Bei der anschließenden offiziellen Umdeklaration in eine Amoktat dominierten Vermutungen und Informationen über die psychische Gesundheit des Täters die Berichterstattung. Dass David S. ein überzeugter Nazi war und versucht hat, seine potentiellen Opfer gezielt zum Tatort zu locken, wurde nur randständig erwähnt. Eine daraus resultierende Auseinandersetzung mit den rassistischen und antiziganistischen Mordmotiven hat nie stattgefunden. Dafür wurde der Gedenkort am OZE, den Angehörige der Opfer errichtet haben kurz vor Weihnachten weg gekehrt (sic!)1.
Noch weniger ist über ein möglicherweise antiziganistisches Motiv der Brandstiftung in der Dachauer Straße zu erfahren: bei dem Brand Anfang November sind ein Mann und seine beiden Töchter ums Leben gekommen. Das Haus war laut Medienberichten von “osteuropäischen Wanderarbeitern” bewohnt. Weder wurden die bisher Täter ermittelt noch entsprechende Tatmotive thematisiert. Dafür können sich die geistigen Brandstifter_innen, sich am 26.12.2016 nach dem Münchner Tatort mal wieder in ihre antiziganistischen Projektionen einer “Bettelmafia” alpträumen. Dass die jahrelange antiziganistische Hetze gegen vermeintliche “Armutszuwanderer” immer wieder zu Brandanschlägen mit Mordabsicht führt, stört scheinbar nicht weiter.

Fazit: München spielt nicht nur im Fußball vorne mit, sondern auch im Bezug auf die rassistische Zusammenarbeit von Politik, Staat, Medien und Bevölkerung. Rechte Hetze auf höchstem Niveau: Mia san München – mia brauchen koi AFD, mia können des besser!

1 Ein Kehrmaschine fuhr über den Gedenkort. https://www.tz.de/muenchen/stadt/empoerung-andenken-amoklauf-opfers-weggekehrt-7168923.html

Advertisements