Schwerin

Schwerin Kaltort 2016

Ort: Schwerin
Bevölkerung: 96.800 Einwohner_innen
Selbstbezeichnung: Stadt der sieben Seen, Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern und Sitz des Landtages, Ausrichter der Bundesgartenschau 2009

Nominiert weil:
Abgesehen von den massigen „MVgida“ Aufmärschen und dem „Dachverband Deutschland wehrt sich“ (DWS), rund um die stadtbekannten Neonazis David B. und Torsten S., kam es dieses Jahr fast monatlich zu rassistischen Angriffen gegen Geflüchtete und Antifaschisten/Innen.
Im Februar kam es am 05.02. um 17:43 Uhr in der Straßenbahn zu einem Angriff auf einen 22-jährigen Mann aus Syrien. Zwei Männer beleidigten ihn zunächst, doch die Schläge ließen nicht lange auf sich warten. Die Täter verließen anschließend die Straßenbahn. Jedoch wurden die beiden von der Überwachungskamera aufgenommen. Die Polizei fahndete nach den beiden Täter. Allerdings hörte man nie wieder davon.
Am Nachmittag des 23.03. kam es in der Marienplatzgalerie am Marienplatz zu Provokationen und Pöbeleien. Eine Gruppe bestehend aus fünf Rassist/innen aus dem Umkreis des „DWS“ filmten nach ihr Auffassung „südländisch aussehende Personen“ und bedrängten diese. Bevor die Situation eskalieren konnte ging der Sicherheitsdienst der MAG dazwischen. Jedoch wurde die Polizei bereits alarmiert. Uwe Wilfert, der zu der Zeit Oberbürgermeisterkandidat und ebenfalls Mitglied des DWS war, musste seine Personalien der Polizei übergeben. Derweilen postete David B. munter Falschmeldungen. Damit nicht genug, rief er zu einem Treffen im Stadtteil Lankow auf um Präsenz zu zeigen. Sieben Personen begaben sich dann mit der Straßenbahn wieder in die Innenstadt. Hier stieg die Anzahl der Rassisten/innen auf 15. An diesem Abend kam allerdings zu keinen weiteren Zwischenfällen.
Der nächste Vorfall ereignete sich im Mai am 03.05. drei Neonazis schlugen im Stadtteil Dreesch auf einen 25-jährigen Schweriner ein. Grund war, dass er die drei auf die von ihnen gezeigten Hitler-Grüße ansprach und sie bat dies zu unterlassen. Offensichtlich reichte dies als Provokation aus um ihn zu attackieren.
Einen Monat später, am 03.06., verübten unbekannte Täter/innen einen Brandanschlag auf das Schild des Flüchtlingsrates in der Goethestraße.
Am 25.07., gegen 23:30 Uhr gab es einen Angriff auf das linke Kultur- und Wohnprojekt „Komplex“. Die Angreifer/innen sind dem Umfeld der rassistischen Gruppierung „Deutschland wehrt sich“ zuzuordnen, dies lies sich schnell aufgrund von Kfz-Kennzeichen sowie der Sichtung einzelner bekannter Personen aus diesem Umfeld herausfinden. Im Konvoi von vier Autos fuhren sie vor das Haus und spielten laut rechte Musik ab. Einzelne Nazis versuchten sich zum Haus Zugang zu verschaffen, mussten aber aufgrund des konsequenten Auftretens der Bewohner/Innen schnell die Flucht ergreifen.
Am Abend des 01.08. provozierten einige DWS-Mitglieder eine Gruppe Jugendlicher. David B. hatte sich mit einem weißem Bettlaken verkleidet und unter „Allahu Akbar“-Rufen einen Rucksack in die Gruppe geworfen. Anschließend bepöbelten die Rassist/innen die Jugendlichen und filmten sie dabei. Die Polizei beendete die Auseinandersetzung.
Vom 26.-28.08. fand in Schwerin das Drachenbootfestival am Pfaffenteich statt. Besonders abends, zieht es die eher rechtsgerichteten Gestalten in den Bann des Festivals mit Volksfestcharakter. Am Freitag, den 26.08. kam es dann zu Jagdszenen auf Geflüchtete. Gegen 01.30 Uhr wurde eine fünfköpfige Gruppe junger Menschen von einem rassistischen Mob verfolgt. Die Zahl der Angreifer/ innen ist jedoch unbekannt. Eindeutig war jedoch, dass sie in der Überzahl waren. Die Geflüchteten konnten sich auf ein nahegelegenes Grundstück retten. Doch leider keine gute Rettung. Hier wurden sie mit Glasflaschen, Steinen und Holzbalken beworfen. Anwohner/Innen alarmierten die Polizei. Diese hielt es jedoch nicht für nötig sich der Sache möglichst schnell anzunehmen. Sie konnten gerade mal den offensichtlich alkoholisiertesten Angreifer stellen. Während die Polizei die Personalien des Angreifers feststellte, rief dieser Morddrohung in Richtung der jungen Geflüchteten und deren Familien aus. Angeblich soll er in Gewahrsam genommen worden sein.
In der Zeit vom 09.09. bis Sonntag, dem 11.09., kam es gleich zu mehreren Angriffen. Freitagnacht wurde gegen 01:00 Uhr auf dem Marienplatz, nahe dem Altstadtfest, eine Gruppe Geflüchteter von einem Nazimob angegriffen. Am Samstagabend wurden erneut auf dem Marienplatz Geflüchtete von einer Gruppe Neonazis attackiert. Danach konnten die Täter auf dem Altstadtfest weiter feiern, während die Geflüchteten jedoch von der Polizei festgesetzt wurden. Später am Abend beschloss eine Gruppe Neonazis, die eindeutig dem „Deutschland wehrt sich“-Umfeld zugerechnet werden konnte, die Besucher/Innen des Skatecontestes im Stadtteil Lankow mit Pyrotechnik anzugreifen. Teilweise wurde diese direkt in die Menschenmengen geschossen. Nach einer kleineren Auseinandersetzung ging diese Situation größtenteils gut aus.
Am 20.09. kam es zu einem besonders geschmacklosen Angriff. Zwei Syrer im Alter von 13 und 18 Jahren wurden von mehreren unbekannten Angreifer/innen mit einer Waffe bedroht. Dem 18-Jährigen wurde außerdem von mindestens einem der unbekannten Täter mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Im Verlauf des Streits zog einer der Täter einen „pistolenähnlichen Gegenstand“ und richtete ihn auf den 18-Jährigen. Der Täter reichte die Waffe anschließend an eine Frau, die damit auch den 13-Jährigen bedrohte. Diese rief zu dem ausländerfeindliche Parolen. Die beiden Jugendlichen konnten schließlich entkommen. Die Rassisten/Innen flohen.
Vom 28.09.-01.10. kam es wieder zu mehreren Angriffen auf Geflüchtete. Sie wurden durch Straßen gejagt und zusammengeschlagen und getreten. Gerade der Brennpunkt Marienplatz kommt in den Tagen sehr oft zur Sprache. Hier kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Rassist/innen und Geflüchteten. Immer wieder wird von Verletzten berichtet.

FAZIT:
Schwerin gibt sich nach außen weltoffen und tolerant doch die Realität ist weit davon entfernt. Grade in den Randgebieten Lankow und Dreesch sind Geflüchtete alles andere als gern gesehen. Und wenn mal kein Aufmarsch der Neonazistischen Gruppierungen ansteht, wird irgendwo die nächste Hetzjagd geplant. Somit haben sie sich definitv als Kaltort des Jahres nominiert.

Vielen Dank an die Gruppe No Turning Back aus Rostock für diesen Beitrag!

Advertisements