Clausnitz

Clausnitz Kaltort 2016

Clausnitz
Bevölkerung: 870
Selbstbezeichnung: Stadt der alten Bergleute

Nominiert weil:
In Clausnitz kam es am Abend des 18. Februar diesen Jahres zu massiven Ausschreitungen gegen ankommende Geflüchtete, die in dem beschaulichen Örtchen im Osterzgebirge einziehen sollten. Ein Bus mit 15 Geflüchteten wurde von einem in Laufe des Abends auf 100 Leute ansteigenden Mob blockiert und rassistisch attackiert. Die stolzen Nachkommen der „alten Bergleute“ – zur genaueren Gründungsgeschichte von Clausnitz fehlen bedauerlicherweise jegliche Quellen – fuhren mit einem Traktor, einem Autor und einem Lkw vor der geplanten neuen Unterkunft auf und blockierten so den Eingang zum Stollen, äh zu den Gebäuden. Die wenigen anwesenden Polizist_innen versuchten die Meute zu beruhigen, drohten gar mit Räumung der Fahrzeuge. Nachdem Trecker&Co. umgeparkt wurden, lotste die Polizei den Bus, in dem noch immer die Geflüchteten festsaßen, durch ein Spalier von Rassist_innen, die durch „Wir sind das Volk“-Gegröle keinen Zweifel daran ließen, dass ihre neuen Nachbar_innen nicht Teil ihrer imaginierten Volksgemeinschaft werden würden.
Angesichts des Hasses, der ihnen entgegen schlug ist es wenig verwunderlich, dass die Menschen im Bus wenig Begeisterung zeigten, auszusteigen – im Gegenteil. Ein Junge zeigte einen Fuckfinger nach draußen, was wiederum die Polizei dazu veranlasste, ihn gewaltsam aus dem Bus in die Unterkunft zu zerren – alles unter Beifallsklatschen der sich siegessicher gebärdenden Clausnitzer_innen. Im weiteren Verlauf wurden noch weitere Leute unter Zwang aus dem Bus in die Unterkunft genötigt, ein inakzeptables Vorgehen, das die Polizei später damit rechtfertigte, die Geflüchteten hätten eine Mitschuld an der Eskalation der Lage getragen, da sie die umstehende Menge „provoziert“ hätten. Welch Hohn! Reichte doch die bloße Ankündigung, einige wenige Geflüchtete sollten von nun an in Clausnitz leben, um den Ausbruch des rassistischen Mobs zu „provozieren“ und zu Blockaden nebst Hasstiraden auf die Straße zu bringen. Der Leiter der Unterkunft, Mitglied der örtlichen AfD, wurde „zu seinem eigenen Schutz“, wie es heißt, nach den „Vorfällen“ vorsichtshalber versetzt worden. Sein Bruder hatte tatkräftig gegen die Neuankömmlinge mit gewütet, gefüttert wurde der Rassismus der Clausnitzer_innen durch ihren Bürgermeister, der überhaupt erst die Informationen über die genaue Ankunft des Busses an „sein Volk“ heraus gab.
Dass sich die neuen Anwohner_innen der Unterkunft in Clausnitz nur sehr ungern ins Dorf wagen ist nur zu verständlich und macht abermals deutlich, dass eine Unterbringung von Geflüchteten in den rassistischen Hochburgen #Kaltlands eine nicht in Kauf zunehmende Zumutung ist! Es fällt also schwer zu glauben, dass, wie in einem jüngeren Artikel der Taz berichtet, heute alles friedefreudeeierkuchen ist in der Dorfgemeinschaft von Clausnitz. Niemand, auch die Betroffenen, würden mehr von der „Schande“ wissen wollen, einer der Nachbarn der noch immer in Clausnitz lebenden Geflüchteten repariert sogar ganz freundschaftlich die Fahrräder der Kidz; seine Motivation: „Das könnte Clausnitz gerade noch brauchen, wenn hier ein Kind zu Schaden käme!“ Na dann…

Fazit:
Auch wenn es seit der Blockade mit Pogromstimmung im Februar 2016 ruhig geworden ist um Clausnitz, hat dieses Dorf und seine Dorfgemeinschaft einen Platz im Ranking der kältesten Orte in Kaltland verdient. Das Zusammenwirken von rassistischer Bevölkerung und ebenso rassistischer Polizei, die anschließenden Verharmlosungen und Schuldzuweisungen an die Betroffenen ist an Widerlichkeit kaum zu übertreffen! Clausnitzer_innen evakuieren, Flüchtlinge bleiben!

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