MÜNCHEN-MORDE: WEITERE RASSISTISCHE DETAILS BEKANNTGEWORDEN

Wie bereits vor einigen Tagen berichtet [1], leugnen Staatsanwaltschaft, LKA und bayerische Staatsregierung ein rassistisches Motiv bei den neun Morden, die David S. im Juli 2016 begangen hat und die gemeinhin als Amoklauf eines “psychisch Kranken” betitelt werden. Nun wurden durch eine Anfrage im Landtag weitere Details bekannt: “So legte dieser noch am Tag der Tat eine Datei mit dem Namen „Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer.docx“ an. … Der Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl, in dem er aufgewachsen war, sei mit einem “Virus” infiziert. Der spätere Amokläufer schrieb über “ausländische Untermenschen”, von “Kakerlaken” und Menschen, die er “exekutieren” werde. … Und während einer Psychotherapie soll S. den Hitlergruß gezeigt und Hakenkreuze in seinen Block gemalt haben.” [2]

Zudem berichten Medien, dass auch nach den nun veröffentlichen Informationen die staatlichen Charaktermasken bei ihrer entpolitisierenden Deutung bleiben, wobei sie einseitig und in pathologisierender Manier die Leidensgeschichte des Rassisten herausstellen:
“Die Auswahl seiner Opfer sei dem “verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet”, so das bayerische InnnenMinisterium. David S. habe bereits seit “frühester Kindheit unter teils massiven psychischen Störungen” gelitten. Die Hänseleien seiner Mitschüler hätten seine “krankheitsbedingt negative Lebenseinstellung” verstärkt. Er habe unter Angstzuständen und einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten. Ein kranker Geist also, dessen rassistischer Hass weniger auf einer politischen Ideologie fußte, sondern die Folge war von persönlichen Leid-Erfahrungen.”

Auch wenn David S. offenbar nicht in rechte Strukturen eingebunden war, bleibt neben dem offenkundig massiven rassstischen Hass als Fakt:
“Fast alle Getöteten hatten einen Migrationshintergrund, stammten aus albanischen oder türkischen Familien. “Wir haben zu wenige Informationen”, kritisiert Grünen-Vorsitzende Schulze. “Wir sind es den Familien der Opfer schuldig, diese Tat vollständig aufzuklären.”

Nicht nur Yavuz Narin, der vier der Opferfamilien vertritt, fühlt sich an die Blockade-Taktik der Behörden im NSU-Komplex, die sich auch im Münchner Fall gegen die elementaren Rechte der Angehörigen auf Akteneinsicht richtet, erinnert [3]. Leider erinnert auch das Verhalten der Linken an den Umgang mit den Morden des NSU vor dessen Selbstenttarnung: bisher gibt es kaum eine linke Auseinandersetzung mit der Tat und den Motiven, geschweige denn organisierten linken Druck auf die Behörden oder eine Skandalisierung des mörderischen gesamtgesellschaftlich wirksamen Rassismus, der sich in der Tat von David S. Ausdruck verschafft hat. Selbst in der Chronik des Münchner AIDA-Archivs finden die Morde keine Erwähnung [4]. Eine Diskussion über diese linke Passivität – oder Ignoranz? – angesichts von neun Ermordeten sollte dringend geführt werden.

1: https://deutschlanddemobilisieren.wordpress.com/2017/05/22/muenchen-rassistisches-mord-motiv-verleugnet/

2: https://www.taz.de/!5415932/

3: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/amoklaeufer-david-s-kranker-geist-rassistischer-hass-1.3538747

4: www.aida-archiv.de/index.php/chronologie

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