Tag der Sachsen 2017: Antifaschistische Demonstration in Wurzen

Irgendwo in Deutschland - Das Land - rassistisch, Der Frieden - völkisch, Unser Bruch - unversöhnlich

Als pdf: 2017_irgendwo_in_wurzen_kurzaufruf_web_

Langer Aufruf bei www.irgendwoindeutschland.org

Kurzaufruf für die antifaschistische Demonstration in Wurzen am “Tag der Sachsen”, 02. September 2017

Das Land – rassistisch

Die rassistische Organisierung und Mobilisierung findet in Sachsen seit mehreren Jahren ihren bundes­weiten Höhepunkt. Die Liste der AkteurInnen der rassistischen Bewegungen wie PEGIDA/LEGIDA, Nein zum Heim, Offensive für Deutschland, AFD und ähnliche reaktionäre Organisationen ist fast endlos und erfreut sich gerade hier einer großen Beliebtheit. In keinem anderem Bundesland gibt es so viele rechte Angriffe auf Menschen und Gebäude wie in Sachsen.
Während die Bundesregierungen seit den 90er Jahren eine Politik der europäischen Abschottung forcieren, treiben rechte AkteurInnen den rassisti­schen Normalzustand besonders im Osten der Republik voran. Die gesellschaftliche und strukturelle Verankerung der rechten Szene in Sachsen ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sich hier über mehrere Jahre rassistische, rechte Mobilisierungen halten könne und ausbreiten. Bundesweit sind Orte wie Bautzen, Clausnitz, Freital, Heidenau bekannt geworden für eben diese Mobilisierungen und Gewalt gegen Geflüchtete und Linke, sie sind Beispiele und Vorbild für eine rechte Bewegung.
Dabei sind gerade in den letzten Jahren Orte der permanenten rechten Gewalt und Organisierung nahezu in Vergessenheit geraten. Wie die Stadt Wurzen, die seit mehr als 20 Jahren Schwerpunkt
neonazistischer Gewalt und Strukturen in der Region Leipzig ist. In diesem Ort wohnen wichtige Organisatoren für den Neonaziangriff im Januar 2015, als in Connewitz knapp 250 Neonazis auf der  Wolfgang-Heinze-Straße Häuser und Menschen angriffen, aber auch Protagonisten, die die Legida-Demonstrationen organisierten und unterstützten. Genauso sitzen hier wichtige Einnahmequellen für die rechte Szene, wie das Nazilabel „Frontrecords“. Rechte Gewalt ist hier seit den 90er Jahren Alltag und aus einer bundesweiten  Wahrnehmung nahezu verschwunden.

Der Frieden – völkisch

Landstriche werden nicht nur durch Gewaltandrohung zum sicheren Hinterland für Neonazi-Strukturen und deren Aktivitäten. Das  eigentliche Problem liegt in der gesellschaftlichen Akzeptanz national(sozialistisch)er Programmatiken. Wenn Übergriffe auf Geflüchtete in Wurzen vom völkische Mob in den vergangenen Jahren immer wieder von Polizei, anderen staatlichen Stellen und weiteren Menschen als nachvollziehbar relativiert wird und sich mit den TäterInnen solidarisiert, dann ist rechte Propaganda nicht mehr notwendig.
Der durch rechte Erklärungsmuster geprägte gesellschaftliche  Common Sense spiegelt sich nicht unbedingt in Wahlergebnissen oder  Übergriffen wider. Er kommt vielmehr im alltäglichen  Zusammenspiel von Neonazis, Mehrheitsgesellschaft und staatlichen Institutionen zu Stande.
In Sachsen gibt es seit mehreren Jahren den vom Freistaat  organisierten so genannten „Tag der Sachsen“, dem größten „Volksfest“ im Jahr. Wer nicht dazugehört oder dazugehören will kriegt selbst auf die Fresse. So wurden beim „Tag der Sachsen“ 2015 im Wurzen Geflüchtete an jenem Wochenende aus dem Ort  gebracht, die über mehrere Wochen hinweg in der Stadt und in ihrer Wohnung bedroht und angegriffen wurden.

Unser Bruch – unversöhnlich

Wir werden am Wochenende des „Tag der Sachsen“, der dieses Jahr in Löbau bei Dresden gefeiert wird, mit euch nach Wurzen gehen und nach den Rechten schauen. Nicht für ein schöneres weltoffenes Sachsen oder Deutschland, sondern gegen beides gehen wir auf die Straße. Die von Neonazis beanspruchte Provinz als sicheren Aktionsraum muss immer wieder Ziel antifaschistischer Politik sein.

Organisiert den antifaschistischen Widerstand – bildet Antifa-Gruppen!

Ein ausführlicher Aufruf folgt auf dem Blog www.irgendwoindeutschland.org. Ihr findet uns auf twitter unter @irgendwoinde

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